In der Genossenschaft daheim
Besucht man die Familie Leuenberger in ihrer Wohnung, spürt man sofort: Hier herrscht eine ruhige, lebendige Atmosphäre. Zwei kleine Kinder, ein strukturierter Alltag und viele kleine Momente zeigen, wie sehr sie im Quartier verwurzelt sind.
Maria Leuenberger (38) arbeitet als Regulatory Affairs Consultant. Sie stammt aus Nicaragua und hat in der Schweiz nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine neue Art des Zusammenlebens entdeckt. Ihr Mann David Leuenberger (44) leitet einen Hort und ist „in die Siedlung Kalchbühl hineingeboren“. Seine Familie gehört seit Generationen zur BGW: Vater, Grossvater und sogar die Urgrossmutter waren Genossenschafter*innen. „Es ist Tradition bei uns Leuenbergers Genossenschaftsmitglied zu sein“, sagt er.
Mit ihren beiden Söhnen (5 Jahre und 15 Monate) erleben sie den Alltag in der Siedlung als familienfreundlich und unkompliziert. Maria beschreibt ihre eigene Familie als ruhig, bedacht und sorgfältig – ein Eindruck, der sich im Gespräch bestätigt.
David ist ein Frühaufsteher. Vor seinem Arbeitstag im Hort joggt er oft oder geht ins Fitnessstudio. Danach beginnt der Arbeitstag, und abends kehrt er ins Quartier zurück – für ihn ein Ort, der Heimat bedeutet. Wollishofen empfindet er als einen Ort, an dem alles zusammenkommt. „Es ist einfach Heimat“, sagt er.
Für die Familie ist das Leben in der Genossenschaft mehr als nur Wohnen. Es ist ein soziales Gefüge. Besonders die vielen Kinder in der Siedlung empfinden sie als großes Glück für ihre eigenen. Gleichzeitig bereichert die Vielfalt im Quartier ihr Leben.
Maria hat in der Schweiz schnell gelernt, wie stark Gemeinschaft hier gelebt wird. Ihre erste Generalversammlung erlebte sie als sehr „schweizerisch“ – strukturiert, demokratisch, klar organisiert. Beeindruckt hat sie auch der respektvolle Umgang im Alltag. Ein Moment blieb ihr besonders in Erinnerung: Eine Nachbarin brachte Kekse vorbei, um sich zu entschuldigen, weil ihre Tochter im Haus Klavier übte. „So etwas gibt es in Nicaragua nicht“, sagt sie lachend.
Auch David verbindet viele Erinnerungen mit dem Leben in der Genossenschaft. Seine Kindheit in der Siedlung war geprägt von Freiheit und Bewegung – Spielen unter grossen Tannen, Verstecken, Klettern, Fussball auf den Wiesen. Besonders blieb ihm das Gefühl von Anstand und Rücksicht in der Gemeinschaft. Für ihn war es selbstverständlich, dass auch Nachbarn Grenzen setzten und die Kinder so mitprägten.
Ein zentraler Teil ihres Alltags ist die Nachbarschaftshilfe. Ob im Umgang miteinander oder bei praktischen Dingen – Unterstützung gehört für die Familie dazu, auch für ältere Menschen. Gerade bei Veränderungen im Leben zeigt sich die Stärke der Genossenschaft: Wenn sich Wohnbedürfnisse wandeln, etwa durch Familienzuwachs, ermöglicht sie passende und verlässliche Lösungen.
Was die Familie besonders schätzt, ist die Stabilität: ein sicheres Wohnverhältnis, faire Mieten und die Möglichkeit, als Familie in der Stadt zu bleiben. Gleichzeitig sehen sie die Vielfalt im Quartier als grosse Stärke.
Für die Zukunft wünschen sich die Leuenbergers, dass das gute Miteinander bleibt und hoffen auf noch mehr Mitsprache, Mitgestaltung und Transparenz. Informationen sollten alle erreichen, nicht nur einzelne Gruppen. David bringt es auf den Punkt: Jede Siedlungsversammlung sollte ein Protokoll haben, idealerweise online zugänglich.
Maria wird persönlicher, wenn sie über ihre Wünsche spricht: Diversität erachtet sie als wichtig, jedoch sollten heimische Traditionen und Werte erhalten bleiben. In diesem Sinne möchte Sie auch gerne einmal ein Schwingfest besuchen, um noch tiefer in ihre Wahlheimat Schweiz einzutauchen.
Am Schluss entsteht das Bild einer Familie, die ihren Platz gefunden hat – in einer Siedlung, die weit über das reine Wohnen hinausgeht und echte Gemeinschaft erlebbar macht.